Geschichte des Augustiner Chorherrenstiftes in Sternberg 1371-1784

 

       Der Chorherrenorder des heiligen Augustinus, der in Böhmen vom Bischof Johann IV. von Dražic in 30. Jahren 14. Jahrhunderts eingeführt wurde, drang in der 2. Hälfte des 14. Jahrhunderts auch in Mähren ein. Der erste mährische Fundort war das Maria Verkündigung Stift in Sternberg, das der damalige Herrschaftsbesitzer Albert II. von Sternberg, Das Grabmahl Alberts II. der Erzbischof in Magdeburg und Berater des Kaisers Karl IV., am 4. März 1371 gründete.Die ersten vierzehn Chorherren, die aus dem ursprünglichen Stift in Raudnitz an der Elbe kamen, siedelten mit ihrem Vorgesetzten, Propst Wenzel, in der Pfarre bei der älteren Stadtkirche, die St. Georg eingeweiht wurde ( die erste Erwähnung über die Pfarre stammt aus 1296). Als der Bau des neuen Konvents in 80er Jahren 14. Jahrhunderts beendet war, zogen sich die Chorherren ins neue Stift um, das sich auf der mäßigen Erhöhung am nördlichen Rande der Stadt befand. Es handelte sich um die zweischiffige gotische Maria Verkündigung Kirche, an der die Quadratur auf südliche Seite und nicht gerade ausgedehnte Stiftgebäude anlogen. Infolge einigen Uneinigkeiten und Problemen, die mit dem Umzug der Chorherren zusammenhängten, wurde das Stift de facto zum zweiten Mal im Jahre 1384 vom Neffen des ehemaligen Magdeburger Erzbischofs und des ersten Begründer Peter von Sternberg. Die Chorherrenanzahl stieg auf 25 Mitglieder. Die Chorherren verwalteten die Pfarre, die Pfarrschule und den Spital, der zur Maria Reinigung Kirche am Stadtrand gehörte.

    Das Augustiner Chorherrenstift gab es nicht nur in Sternberg, sondern auch in Fulnek. (Mähren) Es entstand dank Benedikt von Krawarn. Hier wurde das Stift mit der Allerheiligsten Dreifaltigkeit Kirche erbaut und im Jahre 1391 entstand noch ein Augustinerstift in Prossnitz. Dieses wurde dem neu eingeführten Maria Heimsuchung Feiertag eingeweiht. Die Augustiner Chorherren stellten an der Wende 14. -15. Jahrhunderts einen neuen reformiert wirkenden Orden im mährischen Raum, der sich mit der geistlichen Stadtverwaltung beschäftigte. Die Stiftvertreter kritisierten damalige Kirchmissstände und bemühten sich um die Verbesserung der Verhältnisse in der Kirche. Die Tätigkeit der Chorherren bezeugten die literarischen Werke, wie z.B. "Postila" von unbekanntem Autor oder "Psalm- und Kantikeninterpretation" vom zweiten Sternberger Propst Friedrich.

    Die Hussiten haben manche Stifte in Mähren beschädigt und das Sternberger Stift war keine Ausnahme. Die Chorherren kamen ins geplünderte Stift Anfang 50er J. 15. Jahrhunderts und fingen mit der Rekonstruktion allmählich an. Dank der erfolgreichen Verwaltung bekam Propst Nikolaus Velek 1489 Recht, während der heiligen Messe Pontifikalien zu gebrauchen. (die Mitra, die Krücke…) Die Blütezeit des Stiftes, das sich zusammen mit dem Stift in Fulnek und Olmütz am Anfang 16. Jahrhundert der Lateranensischen Kongregation anschloss, wurde 1538 durch den Stadtbrand und den Mangel an Nachwuchs unterbrochen. Infolge des Protestanteneinbruchs geriet das Stiftleben in der zweiten Hälfte 16. Jahrhunderts in tiefe Krisis. Propst Salomo verfiel der Ketzerei und entfloh aus dem Stift. Sein Nachfolger, Friedrich Borikovsky, verschuldete das Stift durch sein zügelloses Leben. Es gab eine sehr ähnliche Situation auch in Stiften in Olmütz sowie in Fulnek.

    Erst Propst Johann Rozenplut aus Schwarzbach rettete das Stift. Er gehörte zur Spitze der katholischen Gegenreformation. Sein bekanntestes Werk war das im Jahre 1601 bei Georg Handle herausgegebene, erste gedruckte Gesangbuch, das am Anfang 17. Jahrhunderts als das Mittel der Gegenreformation diente. Das Gesangbuch ist Sammlung gottesfürchtiger Gesänge, die ein jeglicher rechter Christ zum geistigen Trost an Feiertagen des Jahres und anderen heiligen Gedenktagen und Zeiten verwenden möge. Da die Stiften Mangel an Mönchen hatten, musste der Olmützer Erzbischof oft in die Stiftverhältnisse eingreifen. Es wurden die Pröpste aus dem Erzbischofkreis bestellt. Z.B. Melchior Pirnus aus Pirn. Binnen des Dreißigjährigen Krieges wurde das Stift stark zerstört, es litt vor allem unter den Dänischen Truppen und der Schwedischen Besatzung. Erst als das schwedische Kriegsheer das Land entließ, begann man 1650 mit der Reparaturarbeit des geplünderten Stiftes.

    Die letzten sechs Pröpste hatten die Freude an kostspieligen Umbauten des Stiftes. 1718-1723 baute Meister Anton Rein die neue Prälatur, wo die Prälaten der Barockzeit lebten(18. Jahrhundert). Dank der guten Beziehungen zwischen Propst Patritius Johann Meixner und Theateringenieur und Dekorateur Antonio Nicola Beduzzi aus Wien entstand ein hervorragendes Lustschlossprojekt. Das Gartenlustschloss, das am Ende 20er Jahren 18. Jahrhunderts erbaut wurde, dominierte dem neuen und großen Stiftgarten. Die bedeutendste Persönlichkeit im Rahmen der Stiftgeschichte war Propst Johann Joseph Glätzl, der Landsmann aus Mährischer Neustadt, der zwischen den Jahren 1734-1757 das Stiftvermögen gut verwaltete und ließ viel Neues bauen. 1736-1740 ließ er den Gartenflügel des Stiftes nach dem Projekt Matthias Wagner, dem Geometer, bauen. Hier befand sich ein monumentales Sommerrefektorium für 25 Chorherren, das vom bekannten Maler Johann Christoph Handke gemalt wurde. Handke beteiligte sich an der Dekoration des ganzen Komplexes samt dem Stift und Lustschloss ab 30er. J. 18. Jahrhunderts gemeinsam mit dem Bildhauer Philipp Sattler. Sattler wurde dann 1738 von Johann Kammereit versetzt, Die Statue Christus - der Messias der die Stiftzimmer malte und 1744 für die gerade beendete Westenflügelfassade die Statue "Christus - der Messias" schuf. 1745-1748 wurde die Umgestaltung des Stiftes von Erfolg gekrönt. Es wurde der zur Stadtmauer orientierende Ostenflügel geschaffen. Propst Glätzl sorgte sich für das ganze Stiftsgut. Erstens ließ er am Ende 40er J. 18.Jhrs. eine neue Filialkirche in Starnau und dann die Pfarrkirche in Weischowitz, wo die neue Sommerresidenz entstand. Eine ähnliche Residenz mit der inneren Kapelle - dem heiligen Joseph eingeweiht - wurde auch in Zierotein erbaut. Die ganze Stiftumgestaltung in Sternberg wurde mit dem Aufbau der neuen Stiftkirche zu Ende geführt. Die Kirche ist ein hervorragendes Gesamtkunstwerk aus der Zeit des frühen Klassizismus und weist auch in ihren Einzelheiten hohe Qualität auf. Der Sternberger Stadtbürger und gleichzeitig Propst Aurelius Johann Augustinus Blick auf die Frontseite der Stiftskirche regte den Aufbau 1775 an, den der Brünner Architekt Franz Anton Grimm projektierte. Die Kirche wurde unter dem letzten Propst Andreas Tempes beendet, der sie am 16. November 1783 benedeite, nur ein Jahr vor der Aufhebung des Stiftes. Die Rokokoinnenausstattung, die noch vor der Aufhebung des Stiftes durchgeführt wurde, ist merkwürdig. Sie gehört zum größten und gleichzeitig letzten Werk des Künstlers Franz Anton Sebastini aus Prossnitz. Die Maria Hilf Seitenkapelle ist ein sehr interessanter Raum. Sie wurde gleichzeitig mit der Kirche erbaut und es befindet sich hier das Grabmal des Klostergründers Albert von Sternberg und seines Neffen Peter von Sternberg. Die Kapelle war wegen der Maria Hilf Deckenfreske von Sebastini die starke Kultstelle. Sie wurde als Stadtpatronin vor dem Krieg und Pest. Das Hauptaltarbild  der Kapelle ist die Bildkopie Passauer Muttergottes mit Kind von Lucas Cranach sen. , stammt aus der älteren Stiftkirche und wurde vom Maler Johann Christoph Handke geschaffen.

 

DIE EINRICHTUNG DER KIRCHE UND DIE PFARRGEMEINDE NACH DER SÄKULARISIERUNG DES AUGUSTINERCHORHERRENSTIFTES BIS 1972

    Nach der Aufhebung des Stiftes im September 1784 blieb die neu gebaute Kirche mit Stiftgebäuden in der kirchlichen Verwaltung. 1791 wurden im Portalraum die Änderungen durchgeführt. Hier entstand die monumentale Treppe. Nächstes Jahr wurde der Hauptaltar errichtet, und danach kam es zu Einweihung der Kirche. Am 7. Mai 1792 weihte sie der Olmützer Erzbischof Anton Theodor von Colloredo. Das ehemalige Stift wurde für die Priesterbedürfnisse angepasst. Die ersten Priester stammten noch aus dem Chorherrenkreis. Unter Priest Mattheus Alois Bernarth (1786-1798), ehemaligem Domherren, wurde das Kircheninterieur weiter ausgestattet. Er rettete einige wertvolle Bildleinwände vor Auktion. Die wichtigsten Gemälde schuf Johann Christoph Handke - die Anbetung der Heiligen Drei Könige - und die Ovalbildkollektion 14 Heiliger Nothelfer. (1719) Das Interieur Pfarrkirche Das aktuelle Hauptaltarbild Maria - Verkündigung, das aus der alten Stiftkirche stammt, ist das Werk des ausgezeichneten Barockkünstlers und Olmützer Chorherrn P. Anton Martin Lublinsky. (2. Hälfte 17.Jhrs.) An der Wende 18. u. 19.Jhrs. war Brünnner Plastiker Andreas Schweigl, damit er im Kircheninterieur arbeitete. 1800 schuf er vier Seitenaltäre. Die ersten zwei sind meisterhafte Steinreliefe (der Kreuz und Altar der Letzte Abendmahl). Die anderen (St. Augustinus- Altar und Johannes von Nepomuk -Altar.) wurde um die Bilder der erwähnten Heiligen ergänzt, deren Autor Joseph Winterhalder jun. war. Die Kanzel aus der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts trägt reichen Figurenschmuck von Andreas Schweigl. Schweigl schuf auch die Hauptaltarstatuen, den Evangelisten Lucas und Propheten Jesaja.

    Bemerkenswert ist die Tätigkeit des hervorragenden Kenners und Professors der orientalischen Sprachen und Hermeneutik des Alten und Neuen Testamentes an der theologischen Fakultät in Olmütz P. Johann Barbor, der zwischen den Jahren 1798-1810 in Sternberg wirkte. Er übersetzte Das Neue Testament und Die Einführung zu dem Alten Testament. Beide Bücher wurden am Anfang des 19. Jahrhunderts herausgegeben.

    Unter dem Pfarrer Joseph Ospald wurde sowohl die Kirche als auch Pfarrareal verändert. Zum Trost der Stadtbürger ließ er das Lustschloss im Pfarrgarten niederrissen. Der Garten wurde wegen des Kaiserstraßeaufbaus (heutige Opavská Straße) verkleinert. Dank der finanziellen Unterstützung der Stadtbürger wurden für den Kirchenturm die Schlaguhr errichtet.

    Nach seinem Tod war Hieronymus Hampel Pfarrer in Sternberg.1854 wurden die neue Orgel aus der Orgelwerkstatt Karl Kuttler gekauft, die die alte Orgel aus dem Dominikaner Kloster aus Troppau ersetzte. Aus der tiefen Hochachtung zu diesem Pfarrer wurde sein Grabmal am Anfang des 20. Jahrhunderts unter Pfarrerfenster übertragen, weil der Stadtfriedhof aufgelöst wurde

Die alte Orgel     Dank der Bemühung des Pfarrers Ferdinand Knirsch (1886-1898) kam es in 90er Jahren des 19. Jahrhunderts zu Freskorestauration von Sebastini und zu Errichtung der neuen Kirchenorgel von Karl Neusser aus Neu Titschein. In der Nacht von 31. Juli 1927 kam es zu großem Unglück, zu einem Brand in der Kirche, und die Orgel und Freskogemälde wurden total vernichtet. Die Freskogemälde wurden bis heute noch nicht restauriert.

    Der Priest Dominik Willner (1932- 1945) hatte ein tief bewegten Schicksaal. Er wurde in Zwittau geboren und wirkte jahrelang als Kooperator. Er war ein großer Historiker und interessierte sich viel für die Geschichte des ehemaligen Stiftes. Er schrieb zahlreiche Artikel für die Regionalpresse. Nach dem 2. Weltkriegsausbruch wurde er wie viele Sudetenpriester verfolgt und 1943 im KZ-Lager in Dachau interniert. Nach dem Kriegsendende kehrte er nie zurück. Er wirkte in österreichischen Pfarrgemeinde Dürnstein (hier befindet sich zufälligerweise ein ehemaliges Augustiner Chorherrenstift), wo er 1971 starb.

    Die Pfarrgemeinde führte Josef Pospíšil zwischen Jahren 1946-1972. Er hatte eine starke Aufgabe vor sich, weil er Pfarrgemeinde aus den neu angekommenen tschechischen Stadtbewohnern bilden sollte. Diesen Prozess lief sehr langsam und schwer, weil er ständig von der kommunistischen Partei angegriffen wurde und den neuen Bewohnern das patriotische Gefühl fehlte. Erst in den letzten zwei Jahrzehnten bringt er zahlreiche wertvolle Früchte.

Filip Hradil




    

                             

 

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